Abnormale Kunst

Eine Gruppenausstellung, die gängige Grenzziehungen hinterfragt und das Anderssein thematisiert. Gezeigt werden in der von Nori Blume kuratierten Ausstellung insgesamt 20 Positionen von in Dresden und Leipzig arbeitenden Künstlern und Künstlerinnen.

ABNORMALE KUNST – das ist ein Titel, der wehtut, bewusst wehtun soll. Der in Leipzig geborenen Künstlerin und Kuratorin Nori Blume geht es mit der Ausstellung vor allem darum, auf eben jene Grenzziehung zwischen normal und abnormal und den damit verbundenen Diffamierungen und Negativattributen, die dem Anderen, Nichtkonformen und von der Norm Abweichendem zugeschrieben werden, aufmerksam zu machen. Wer bestimmt darüber, was als normal, abnormal, oder gar als abartig gilt? Ist das Abnormale, das Andersartige per se schlecht? Oder gilt es vielmehr diese Andersartigkeit zu feiern? Und wie steht es um die Kunstfreiheit in diesen Tagen?

Erst im April dieses Jahres machte die Direktorin des Kulturhistorischen Museums Merseburg deutlich, wo bei ihr die Grenzen der Kunst liegen – bei schwuler Sexualität. Nachdem sie das Werk CRUISING von Silas Schmidt von Wymeringhausen mehrfach als „abartig“ titulierte, wurden die 5 Collage-Hefte, in denen sich der Künstler mit der jahrhundertealten Sexualpraxis auseinandersetzt, kurz vor Ausstellungseröffnung in ihrer Präsentation derart reduziert und nur noch unter Verschluss in einer Vitrine gezeigt, dass nichts anderes bleibt, als von einer absichtsvollen Zensur zu sprechen. Die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Ausstellung „GENERELL FRISCH“ war dazu gedacht, neue Mitglieder des Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e. V. (BBK) und ihr Schaffen vorzustellen. Dem Wunsch des Künstlers, über den Umgang mit seinem Werk und die nachträgliche Änderung der Präsentationsanordnung in einer für den Eröffnungsabend geplanten Gesprächsrunde zu diskutieren, wurde nicht nachgekommen.

In der Ausstellung ABNORMALE KUNST wird Silas Schmidt von Wymeringhausen, der Malerei, Grafik und Buchkunst an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle studierte und zusammen mit Anne Deuter und Marianne Nagel den Raum für Buchkunst „Objekt der Begierde“ in Leipzig-Lindenau betreibt, eine der Hauptpositionen bestreiten und neben den CRUISING-Heften auch sein Werk SELF präsentieren. Auch Murat Önen, seit 2017 Meisterschüler im Fachbereich Malerei bei Prof. Ralf Kerbach an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, verhandelt Fragen der Sexualität und des Körperlichen in seinen Arbeiten. Malerei begreift er als ein Mittel, neue Formen zu finden und eine andere Realität zu schaffen. Mit intensiv leuchtenden Farben und einer akzentuiert plastischen Formgebung greift Murat Önen in seinen Gemälden gängige Schönheitsideale und Klischees aus der Schwulenszene und Fetisch-Ästhetik auf – mal humorvoll, mal verstörend, immer aber bunt und sexuell aufgeladen. Layla Nabi, 1994 in Berlin geboren, studiert Bildende Kunst bei Prof. Monika Brandmeier an der HfBK Dresden und ist Mitglied im Team des Ex14 – Raum für zeitgenössische Kunst in Dresden. Sie wird im Rahmen der Ausstellung eine raumgreifende Plastik zeigen.

Nori Blume selbst hat in diesem Jahr ihr Meisterschülerstudium in Bildender Kunst an der HfBK Dresden abgeschlossen und eigens für die Ausstellung eine Serie aus fünf Arbeiten entwickelt, die sich mit dem ANDERS, mit dem QUEER und auch mit dem VERLOREN SEIN beschäftigen. Die Serie bezieht sich direkt auf die im Ausstellungstitel enthaltene Frage: „Wie anders bist du?“ – jede ihrer Arbeiten ist der Versuch einer Antwort, ein Gefühl oder ein Gedanke dazu. Neben den vier größeren Positionen werden außerdem Werke von Talis Baum, Tatjana Bikic, Adele Dittrich Frydetzki, Alba Frenzel, Florian Glaubitz, Susanne Hopmann, Mara Heuer, Manuela Kasemir, Tobia König, Yvonne Kuschel, Georg Lisek, Johannes Makolies, Irène Mèlix, Malte Pätz, Elisabeth Stiebritz und Andreas Schliebenow gezeigt.

Nori Blume zur Auswahl: „Für diese Ausstellung habe ich Künstler und Künstlerinnen zusammengebracht, die in ihrer Arbeitsweise, in ihrer Aussage und Formsprache außergewöhnlich und einzigartig sind. Alle Beteiligten zeigen Arbeiten, die sich dem Gefühl des Anderssein auf direkte oder indirekte Weise widmen.“ Ein Teil der Künstler/innen habe sich bereits lange vor der Planung mit dem Thema beschäftigt, andere hingegen entwickeln eigens für die Ausstellung eine neue Arbeit. Von der großen Vielfalt an Ausdrucksformen und Medien, darunter Malerei und Grafiken, Plastiken aber auch Videoinstallationen, Fotografien, Zeichnungen und Illustrationen, erhofft sich die Kuratorin „eine spannende Mischung an Dialogen zwischen den einzelnen Arbeiten – Es wird eine abnormale Ausstellung, darüber bin ich sehr glücklich.“